So berechnet PHAERO die Ökobilanz
Ökobilanz nach QNG-Methodik über 50 Jahre: Herstellung der Bauteile und Anlagen plus Betrieb, bezogen auf die NRF.
Die Ökobilanz in PHAERO folgt der Methodik des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG). Sie umfasst die Herstellung von Bauteilen und Anlagen, ihren Ersatz und ihre Entsorgung sowie den Energieverbrauch im Betrieb über 50 Jahre. Das Ergebnis wird auf die NRF und ein Jahr bezogen.
Achtung: Die Ökobilanz ist eine Abschätzung nach QNG-Methodik und ersetzt keine Bilanzierung für eine Zertifizierung.
Lebenszyklus und Module
Ökobilanzen von Gebäuden gliedern den Lebenszyklus nach DIN EN 15978 in Module. Für das QNG sind diese maßgeblich:
| Modul | Inhalt |
|---|---|
| A1–A3 | Herstellung der Bauprodukte: Rohstoffe, Transport, Produktion |
| B4 | Ersatz von Bauteilen, deren Nutzungsdauer kürzer als 50 Jahre ist |
| B6 | Energieverbrauch im Betrieb |
| C3–C4 | Abfallbehandlung und Beseitigung am Lebensende |
| D | Gutschriften außerhalb der Systemgrenze, z. B. Recycling; wird nur informativ ausgewiesen |
Kennwerte
| Kennwert | Einheit | Bedeutung |
|---|---|---|
| GWP | kg CO₂-Äq./(m²NRF·a) | Treibhauspotenzial |
| PENRT | kWh/(m²NRF·a) | Nicht erneuerbare Primärenergie; in Datensätzen oft in MJ, Umrechnung durch 3,6 |
Rechenweg
GWP = ( Σ GWPA1–A3 + Σ GWPB4 + Σ GWPC3–C4 ) / (50 · NRF) + GWPB6 / NRF
Der bauliche Teil wird über 50 Jahre verteilt, der Betrieb geht mit seinem Jahreswert ein. PENRT entsteht auf dieselbe Weise.
Herstellung
| Bestandteil | Grundlage |
|---|---|
| KG 300 opake Bauteile | Flächen aus dem Modell mal GWP und PENRT der Aufbauten aus dem Katalog |
| Fenster und Sonnenschutz | Fensterflächen mal Kennwerte aus dem Katalog |
| KG 400 Sockelbetrag | Pauschaler Anteil der technischen Anlagen |
| KG 400 Großgeräte | Erzeuger aus dem Technik-Katalog |
| Photovoltaik | Nach installierter Leistung aus dem Register Technik |
| Aufzüge | Nach Anzahl |
Die Kennwerte je Aufbau setzen sich aus den Schichten zusammen: Masse der Schicht mal Kennwert des Materials. Deshalb verändert eine dickere Dämmung oder eine andere Tragkonstruktion das Ergebnis sofort.
Betrieb
- Endenergie je Energieträger aus der Energiebilanz mal GWP- und PENRT-Faktor des Energieträgers
- Pauschale für Nutzerstrom
- Strom für Aufzüge
- Gutschrift für den nutzbaren Anteil erneuerbarer Energie aus PV
Beispiel
Ein Gebäude mit 1.500 m² NRF verursacht in der Herstellung einschließlich Ersatz und Entsorgung insgesamt 750 t CO₂-Äq. Über 50 Jahre verteilt sind das 750.000 kg / (50 · 1.500 m²) = 10 kg CO₂-Äq./(m²a). Kommen im Betrieb 8 kg CO₂-Äq./(m²a) hinzu, liegt das GWP bei 18 kg CO₂-Äq./(m²a). Als Wohngebäude läge die Variante damit unter der Schwelle für QNG-PREMIUM von 20 kg. Die Zahlen sind Beispielwerte.
Einordnung nach QNG
| Stufe (Wohngebäude) | GWP | PENRT |
|---|---|---|
| QNG-PLUS | ≤ 24 kg CO₂-Äq./(m²a) | ≤ 96 kWh/(m²a) |
| QNG-PREMIUM | ≤ 20 kg CO₂-Äq./(m²a) | ≤ 64 kWh/(m²a) |
Für Nichtwohngebäude werden die Anforderungswerte projektbezogen gebildet. PHAERO zeigt die Schwellen für Ihre Variante auf den Skalen im Panel.
Ersatzzyklen
Bauteile mit kürzerer Nutzungsdauer als 50 Jahre gehen mehrfach in die Bilanz ein. Die Anzahl der Ersatzvorgänge ergibt sich aus der Nutzungsdauer:
nErsatz = aufrunden(50 / Nutzungsdauer) − 1
| Bauteil (typisch) | Nutzungsdauer | Ersatz in 50 Jahren |
|---|---|---|
| Tragkonstruktion, Rohbau | ≥ 50 Jahre | 0 |
| Fenster | 30–40 Jahre | 1 |
| Dachabdichtung | 25–30 Jahre | 1 |
| Wärmeerzeuger | 15–20 Jahre | 2–3 |
| PV-Module | 20–25 Jahre | 1–2 |
Die Nutzungsdauern sind typische Werte aus der Tabelle „Nutzungsdauern von Bauteilen“ des Bundes. Technische Anlagen tragen deshalb mehr zur Bilanz bei, als ihr Anteil an der Herstellung vermuten lässt.
Die größten Hebel
| Hebel | Wirkung |
|---|---|
| Kompakter Baukörper | Weniger Hüllfläche je m² NRF senkt Herstellung und Betrieb |
| Untergeschoss vermeiden | Erdberührte Bauteile aus Stahlbeton sind CO₂-intensiv |
| Tragwerk und Materialwahl | Holz- oder Hybridbau senkt GWP in A1–A3 deutlich |
| Effiziente Hülle | Senkt B6; zu viel Dämmung erhöht aber A1–A3 |
| Energieträger | Wärmepumpe mit Strom aus PV senkt B6 stärker als jede Dämmung |
| Photovoltaik | Gutschrift im Betrieb; Herstellung und Ersatz bleiben in der Bilanz |
Herstellung und Betrieb hängen zusammen. Ab einem effizienten Standard bringt mehr Dämmung kaum noch Einsparung im Betrieb, erhöht aber die Herstellung. Vergleichen Sie deshalb Varianten in der Summe, nicht nur einzelne Module.
[PRÜFEN] PHAERO-spezifisch vor Veröffentlichung klären: Nutzungsdauern und Pauschalen für KG 400 und Nutzerstrom, wie sie in PHAERO hinterlegt sind.
Begriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| CO₂-Äquivalent | Klimawirkung aller Treibhausgase, umgerechnet auf CO₂ |
| EPD | Umweltproduktdeklaration eines Herstellers |
| ÖKOBAUDAT | Datenbank des Bundes mit Ökobilanzdaten für Bauprodukte |
| Graue Emissionen | Emissionen aus Herstellung, Ersatz und Entsorgung |
Grenzen
- Grundlage ist der gespeicherte Stand der Variante.
- Technische Anlagen gehen zum Teil über Pauschalen ein, nicht über Detailmengen.
- Innenwände werden über einen Faktor geschätzt.
- Weitere Anforderungen des QNG, etwa an Schadstoffe oder Holzherkunft, sind nicht Teil der Berechnung.